Bogota Tiempo - Ganztagsanspruch und Juniorklassen prägen den Schulstart in Baden-Württemberg

Bogota -

IN DEN NEWS

Ganztagsanspruch und Juniorklassen prägen den Schulstart in Baden-Württemberg
Ganztagsanspruch und Juniorklassen prägen den Schulstart in Baden-Württemberg

Ganztagsanspruch und Juniorklassen prägen den Schulstart in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg beginnt das neue Schuljahr mit einem Betreuungsanspruch für Erstklässler und zusätzlichen Juniorklassen. Zugleich bleiben unbesetzte Lehrerstellen und sinkende Schülerleistungen zentrale Aufgaben.

Textgröße:

Für rund 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler sowie gut 140.000 Lehrkräfte in Baden-Württemberg endet am Montag die Sommerpause. Zum neuen Schuljahr treten Änderungen bei Ganztagsbetreuung und früher Förderung in Kraft. Gleichzeitig arbeitet das Kultusministerium weiter an der Besetzung offener Stellen und kündigt verbindlichere Regeln für Unterricht bei großer Hitze an.

Die geschätzt rund 110.000 Erstklässler und ihre Eltern haben erstmals einen gesetzlichen Anspruch auf ganztägige Betreuung. Das Gesetz sieht mindestens acht Stunden vor. Der Anspruch besteht auch während der Ferien; nur an 20 Werktagen darf das Angebot geschlossen sein. Besucht ein Kind keine Ganztagsschule, ist die Kommune für seine Betreuung am Nachmittag zuständig.

Wie groß Angebot und Nachfrage tatsächlich sind, steht bislang nicht fest. Entsprechende Zahlen liegen noch nicht vor. Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert zudem verbindliche Qualitätsstandards. Ihre Landesvorsitzende Monika Stein sieht bei den Anforderungen an die Betreuung Nachbesserungsbedarf.

Ein weiteres neues Angebot sind Juniorklassen als Teil des in der vergangenen Legislaturperiode beschlossenen Ausbaus der Sprachförderung. Sie sind der Grundschule vorgeschaltet und richten sich an Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen oder anderen Entwicklungsdefiziten. Das zusätzliche Jahr soll nach den Erwartungen der Politik dafür sorgen, dass Kinder besser vorbereitet in die Grundschule wechseln.

Zum Schuljahresbeginn starten nach Angaben des Kultusministeriums ungefähr 4.000 Kinder in rund 280 Juniorklassen. Bis 2028/2029 soll die Zahl auf landesweit 832 steigen, damit das Angebot überall zur Verfügung steht. Erst dann wird der Besuch verpflichtend. Bis dahin entscheiden Eltern selbst, ob sie einer entsprechenden Empfehlung für ihr Kind folgen.

Kultusminister Andreas Jung von der CDU hatte Ende Juni nach einer Hitzewelle angekündigt, die Regeln für Hitzefrei zu überarbeiten. Nach seiner Vorstellung sollen Schulen ab einer bestimmten Temperatur nicht nur die Möglichkeit erhalten, Unterricht ausfallen zu lassen, sondern dazu verbindlicher angehalten werden. Maßgeblich soll künftig die Temperatur im Klassenzimmer statt auf dem Schulhof sein.

Ein Ministeriumssprecher nannte den nächsten Sommer als Ziel für mehr landesweite Klarheit und Verbindlichkeit. Im Herbst sollen Schüler, Eltern, Ausbildungsbetriebe und Kommunen in die Überlegungen einbezogen werden. Die angekündigte Überarbeitung ist damit noch kein bereits geltender neuer Temperaturgrenzwert.

Bei der Lehrerversorgung waren wenige Tage vor dem Schulstart noch 426 Stellen über alle Schularten hinweg offen. Jung bezeichnete die Versorgung weiterhin als angespannt, verwies aber auf Fortschritte bei Einstellungen. Schwierigkeiten bestehen in bestimmten Regionen und in der Sonderpädagogik. Das Ministerium ist zuversichtlich, die offenen Stellen bis zum Ende der Einstellungsphase im Oktober besetzen zu können.

Die Lücken sind kleiner als vor einem Jahr: Kurz vor dem Schulstart 2025 waren noch 1.159 Stellen unbesetzt. Damals war vor den Sommerferien bekannt geworden, dass wegen eines Softwarefehlers 1.440 Lehrerstellen offenbar über Jahre unbemerkt frei geblieben waren. Sie wurden anschließend gleichzeitig zum neuen Schuljahr ausgeschrieben.

Auch die Leistungen der Schüler bleiben Thema. Studien weisen seit Jahren auf rückläufige Kompetenzen hin; die wenige Tage zuvor veröffentlichte Pisa-Studie bescheinigte deutschen Schülern das bislang schwächste Abschneiden. Jung äußerte insbesondere Sorge über die abnehmende Bildungsgerechtigkeit. Er fragte, ob Sprach- und Entwicklungsstände früher erfasst und Kinder gezielter gefördert werden könnten als bisher, im Durchschnitt mit 4,3 Jahren.

GEW-Landeschefin Stein erklärte, eine frühere Feststellung des Förderbedarfs reiche allein nicht aus. Anschließend müssten auch die geeigneten Maßnahmen verfügbar sein. Cord Santelmann vom Philologenverband warnte außerdem vor einer Beschränkung der Bildungsdebatte auf gut messbare Basiskompetenzen. Kritisches Denken und musische Bildung, die ebenfalls zum Auftrag der Gymnasien gehörten, würden in solchen Erhebungen nur unzureichend sichtbar.

M.Tovar--BT