Doppelpack Kössler: DFB-Frauen mit gutem Start in die WM-Saison
Vielversprechende Ansätze und eine neue Goalgetterin: Die deutschen Fußballerinnen sind dank Doppelpackerin Melissa Kössler erfolgreich in die WM-Saison gestartet. Das Team von Bundestrainer Christian Wück bezwang Australien verdient mit 4:2 (2:1) und bestand den ersten Härtetest gegen ein außereuropäisches Topteam. 258 Tage vor dem Start der Weltmeisterschaft in Brasilien präsentierte sich die DFB-Elf in guter Frühform, einige Spielerinnen konnten Werbung in eigener Sache betreiben.
Vor allem Kössler (23., 30.) überzeugte gegen den WM-Vierten von 2023 mit ihren ersten Länderspieltoren, auch Camilla Küver (83.) erzielte ihren ersten Treffer für Deutschland. Insgesamt zeigte das DFB-Team in Karlsruhe trotz zahlreicher Ausfälle einen reifen Auftritt, auch die Defensive stand bis auf den Gegentreffer von Samantha Kerr (45.+1) und bei einigen Standardsituationen stabil. Der neuerliche Anschluss Australiens durch Holly McNamara (90.+2) trübte dann das Gesamtbild etwas. Dann stellte Sjoeke Nüsken (90.+4) nach einer weiteren Ecke den Zwei-Tore-Abstand wieder her.
Am Dienstag (17.45 Uhr/ARD) in Bremen soll im nächsten außereuropäischen Test gegen Japan weiter am Feinschliff für das Turnier (24. Juni bis 25. Juli 2027) gearbeitet werden.
Wück musste für den ersten Härtetest der WM-Saison ungewollt improvisieren, von seinem ursprünglich 24-köpfigen Kader fielen sechs Spielerinnen aus. Unter anderem sagte Kapitänin Giulia Gwinn wegen eines Außenbandrisses ab, am Spieltag selbst musste auch noch die erkrankte Lea Schüller passen. Der Bundestrainer wollte trotz der "ärgerlichen" Ausfälle aus dem Turnierprobelauf gegen ein Team außerhalb Europas "Lehren ziehen, die positiven und eben auch die negativen Lehren".
Und die bekam er schnell in beide Richtungen aufgezeigt. Zum einen war die linke Abwehrseite in der Anfangsphase etwas löchrig, ließ schon nach 44 Sekunden eine erste Großchance durch Australiens Topstar Kerr zu. Offensiv machte Klara Bühl über links allerdings ordentlich Betrieb, Cora Zicai setzte ihre flache Hereingabe leichtfertig drüber (3.). Generell rissen die DFB-Frauen die Spielkontrolle schnell an sich, trafen im letzten Drittel aber zunächst oft falsche Entscheidungen.
Nach einer Flanke von Carlotta Wamser setzte sich dann Franziska Kett am zweiten Pfosten im Kopfballduell durch, ihre Bogenlampe drückte Kössler über die Linie. Kurz darauf vollendete die US-Legionärin nach langem Pass von Elisa Senß einen Konter unter Mithilfe von Australiens Torhüterin Mackenzie Arnold. Deutschland entwickelte nun eine enorme Dominanz, schlief aber einmal in der Defensive: Kerr versenkte Sekunden vor der Pause eine Flanke per Kopf, Wück ging daraufhin kopfschüttelnd in die Kabine.
Der Bundestrainer nutzte dennoch den Testspielcharakter und wechselte zur Pause dreifach. Unter anderem gingen die agilen Bühl und Jule Brand runter, die Partie wurde nun ausgeglichener. Erst scheiterte Kössler allein vor dem Tor (49.), dann traf Clare Wheeler für die "Matildas" aus Down Under die Latte (56.). In Folge häuften sich die Wechsel auf beiden Seiten, Spielfluss und Tempo gingen etwas verloren.
Die kurz zuvor eingewechselte Nicole Anyomi hatte dann aber plötzlich die Chance, alles klarzumachen (77.). Der Ball der Stürmerin, die freie Bahn hatte, landete am Außenpfosten. Fünf Minuten später ließ auch Linda Dallmann eine Großchance freistehend ungenutzt. Küver machte es mit dem Kopf wenig später nach einer Dallmann-Ecke dann besser. Danach wurde es auf beiden Seiten nochmal wild.
N.Reyes--BT