Bahn-Chefin: Weniger Korridorsanierungen - und doch kaum Aussichten auf bald pünktlichere Züge
Um die Einschränkungen für die Fahrgäste zu reduzieren, will die Deutsche Bahn künftig pro Jahr weniger sogenannte Korridorsanierungen einzelner Strecken vornehmen. Die bisherige Erfahrung habe gezeigt, "dass vier Korridorsanierungen pro Jahr (...) zu viel ist", sagte Bahn-Chefin Evelyn Palla am Donnerstag in Berlin. Zudem sei es eine Frage des Geldes. Hoffnungen auf bald spürbar bessere Pünktlichkeitswerte im Fernverkehr der DB können sich die Reisenden Palla zufolge dennoch nicht machen.
Durch die Reduzierung der jährlichen Korridorsanierungen werde sich das Gesamtprogramm zeitlich weiter nach hinten verschieben, führte die Bahn-Chefin aus. "Die zeitliche Verzögerung wird davon abhängen, wie viele wir dann machen pro Jahr." Es werde voraussichtlich auf zwei bis drei Sanierungen pro Jahr hinauslaufen statt bisher vier.
Die Bahn überarbeitet derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium das Sanierungskonzept. Grundsätzlich will Palla an dem Vorgehen festhalten, zentrale Strecken für die Erneuerung monatelange vollzusperren. Die Anzahl der jährlichen Sanierungsprojekte müsse aber an das "Finanzierungsvolumen" angepasst werden, sagte sie. Es werde gerade geschaut, "wie viel Geld ist jetzt in den Sondervermögen da für die Korridorsanierungen".
Das Konzept war vom ehemaligen Bahn-Chef Richard Lutz und dem ehemaligen Verkehrsminister Volker Wissing eingeführt worden. Ursprünglich sollten mehr als 40 Korridore schon bis 2030 saniert sein - dieser Zeitplan wurde dann aber deutlich gestreckt. Mehrere Schienenwege wurden bereits saniert, allerdings teils mit Verspätungen und höheren Kosten als ursprünglich geplant.
Mit weniger Sanierungen pro Jahr soll es laut Palla künftig besser laufen. Zudem solle in Zukunft besser darauf geachtet werden, dass die Umleitungsstrecken für den Bahnverkehr während der Vollsperrungen dafür vorbereitet werden. Zuletzt war bekannt geworden, dass es durch die Sanierung der Strecke Hannover-Berlin wegen einer noch nicht bereiten Parallelstrecke für die Zeit der Bauarbeiten zu deutlich größeren Einschränkungen für die Fahrgäste kommen wird.
Kritik daran, dass es auch auf bereits sanierten Strecken, etwa auf der Strecke Hamburg-Berlin, weiterhin häufig zu Störungen kommt, will Palla mit einem anderen Erwartungsmanagement begegnen. Es gehe "auch um das Thema, welches Leistungsversprechen wollen wir auch ganz konkret abgeben?", sagte die Bahn-Chefin. "In welchem Ausmaß wollen wir die Störfälle auf der dann sanierten Strecke dann auch reduzieren? (...) Welche Baufreiheit garantieren wir dann auch?"
Auch mit Blick auf die weiterhin katastrophalen Pünktlichkeitswerte der DB bremste die Konzernchefin die Erwartungen. Das Schienennetz sei "zu alt, zu störanfällig und es ist an vielen Stellen auch zu voll", sagte sie. "Deshalb erneuern wir auch so viel wie nie zuvor, aber das bringt natürlich auch zusätzliche Einschränkungen im Betrieb." In den kommenden Jahren werden das Bauaufkommen sich eher noch erhöhen. "Und all das lässt eben keine großen Sprünge bei der Pünktlichkeit zu."
Zuletzt hatte fast jeder zweite DB-Fernverkehrszug Verspätung. Die Pünktlichkeitsquote verbesserte sich im August nach vorläufigen Daten leicht von 52,6 auf 54,2 Prozent. Palla verwies allerdings auch auf die Pünktlichkeit im Regionalverkehr, die in der Regel an 90 Prozent heranreicht.
X.Dominguez--BT